19.02. – Vortrag und Diskussion: „Modernisierung“ als Herrschaftsprinzip

Vorangehen, Aufholen, zeitgemäß handeln, Zukunft gestalten – solche und ähnliche Schlagworte für Modernisierung begegnen uns in allen Lebensbereichen: in der Schule, auf der Arbeit, an der Uni, in Politik, Werbung, Medien und Kultur. Aber was heißt eigentlich „zeitgemäß“? Wer geht hier eigentlich wem voran? Und welche bzw. wessen Zukunft wird hier eigentlich gestaltet? Und wer bestimmt, was fortschrittlich ist, und was „ewig gestrig“?

Aus kritischer sozialwissenschaftlicher Perspektive kann hier ein Blick auf die Modernisierungstheorie Einblicke bieten. Ihre Vertreter*innen betrachten den Fortgang der menschlichen Geschichte als grundsätzlich zielgerichteten Prozess des Fortschritts. Der Ansatz hat in den Gesellschaftswissenschaften und spätestens seit dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus 1989/90 auch in Politik, Wirtschaft und Alltagskultur Europas und Nordamerikas eine enorme Wirkmacht entfaltet. Die Grundannahmen der Modernisierungstheorie sind dabei durchaus nicht die von ihren Vertreter*innen behaupteten unangreifbaren Tatsachen. Sie sind aus logischer und empirischer Perspektive angreifbar, aus einem herrschaftskritischen Blickwinkel sind sie hoch problematisch.

Nina Krienke, Doktorandin an der Forschungsstelle Osteuropa Bremen und Aktivistin in verschiedenen anarchistisch orientierten Gruppen, gibt eine Einführung in die modernisierungstheoretische Argumentation und ihre Bedeutung für herrschaftskritisches politisches Denken und Handeln.

Beginn: 19 Uhr